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  • Thomas Bergmann

Social Media – Glücksrad oder Erfolgsfaktor?

Aktualisiert: 4. Dez 2018



Social Media Conversation Prism 2018 by Brian Solis

Als im Frühjahr Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern unzulässigerweise mit der Firma Cambridge Analytica geteilt worden sind, haben Experten schon den Niedergang von Facebook vorausgesagt. Auch wird immer wieder der Erfolg für ein Unternehmen bei der Nutzung sozialer Medien im Hinblick auf das Aufwand-Nutzen-Verhältnis in Frage gestellt. Ist Erfolg mit Social Media reine Glückssache oder ein wichtiger Teil der Geschäftsstrategie?


Der Datenskandal bei Facebook hat wieder klar die Einflussmöglichkeiten von Social Media aufgezeigt.

Facebooks Geschäfte laufen glänzend: Der Umsatz schoss im ersten Quartal um die Hälfte in die Höhe, und der Gewinn stellte einen neuen Rekord auf. Der Datenskandal hat allerdings einen Einfluss auf die Aktien gehabt und auch wieder die Einflussmöglichkeiten von Social Media auf die Gesellschaft aufgezeigt. Cambridge Analytica war für Trumps Wahlkampf in den sozialen Medien verantwortlich. Mittels grosser Datensätze versuchte Cambridge Analytica, Rückschlüsse auf die politische Einstellung zu ziehen und die Wahl zu beeinflussen.


Brauche ich Social Media, um erfolgreich zu sein?


Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, ob ein Einzelunternehmen, Start-up, KMU oder etablierter Grosskonzern unbedingt auf Social Media vertreten sein muss. Bringt es den ersehnten Erfolg – bei einem nicht unerheblichen Aufwand? Die Antwort kann man vorwegnehmen: Nein ... aber! Denn, wenn man sie richtig zu nutzen weiss, können Social Media den Erfolg des Unternehmens sehr gut unterstützen.


Um Social Media richtig zu nutzen, sollte man zunächst verstehen, dass es aktuell mehr als 250 verschiedene Social-Media-Netzwerke (auch Plattformen genannt) gibt – für verschiedene Inhalte und Zielgruppen. Das jährlich veröffentlichte Conversation Prism nach Brian Solis im Headerbild zeigt diese gruppiert nach Communities und Interessen auf.


Die bekanntesten Social-Media-Netzwerke in der Schweiz sind sicher die «Top 10» (mit Anzahl Nutzer in der Schweiz):


Soziale Netzwerke in der Schweiz – welche sind die Wichtigsten? Alike.ch

(Zahlen von Ende 2017 , Quellen IGEM digiMonitor, Facebook Werbeanzeigenmanager, xeit.ch, Yourposition.ch, alike.ch)


Wo finde ich die Interessenten für meine Inhalte?


Die Nutzung sozialer Netzwerke ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Je nach Kommunikationsziel und Zielgruppen sind die passenden Kanäle auszuwählen.


Nahezu jeder Schweizer nutzt Whatsapp. Es hat die SMS- und MMS-Funktion der Telefonanbieter fast vollständig abgelöst und ist drauf und dran, auch die klassische Telefonie zu ersetzen. Video-Telefonie ist in Asien mittlerweile Standard. Sogenannte Messenger-Dienste sind als Kundenbindungsinstrument für personalisierte Nachrichten und Kundenservice prädestiniert. Wer schon einmal eine Message von der Fluggesellschaft erhalten hat, dass sich der Abflug geändert hat, kennt das.


Facebook nutze ich nicht mehr, das ist eher etwas für ältere Menschen (Ingrid P., 19 )

Wenn Sie Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahre fragen, hören Sie, dass Facebook längst ein Dienst für etwas ältere Menschen geworden ist. Die junge Zielgruppen wenden sich immer mehr Snapchat oder Instagram zu. Viele weibliche Jugendliche nutzen regelmässig Pinterest. Gemäss IGEM ist Pinterest die Plattform mit dem stärksten Wachstum in der Schweiz.


Neuester Trend bei Apéros: Statt Visitenkarten zu tauschen, vernetzt man sich gleich direkt auf LinkedIn

Wenn Business-Netzwerke genutzt werden, hat unter den bekannten LinkedIn die anderen bei weitem überholt. Jobsuche und Stellenanzeigen über LinkedIn verzeichnen ein hohes Wachstum in der Schweiz.


Schaut man also auf die Nutzerzahlen, die Nutzung und die Vielzahl der verfügbaren Plattformen, kann man klar feststellen, dass Social Media auch mit oder trotz Datenskandalen noch nicht am Ende sind. Sie bleiben relevant für Privatpersonen wie für Firmen – aber die Art der Nutzung ist diversifizierter geworden.


Unternehmen müssen nicht zwangsweise in allen sozialen Netzwerken vertreten sein. Eine Studie über die Social-Media-Präsenz der Fortune-Global-100-Unternehmen ergab, dass 65 Prozent einen Twitter-Account, 54 Prozent eine Facebook-Fanseite, 50 Prozent einen YouTube-Kanal und 33 Prozent einen Corporate Blog betreiben. Insgesamt nutzt nur jede fünfte Firma alle vier Plattformen. Corporate Blogs wie auf HSO.DIGITAL stehen mit nur 25 Prozent am Ende der Liste, allerdings mit den höchsten Zuwachsraten.


Relevanz heisst das Erfolgsrezept


Unternehmen haben auf Plattformen wie Facebook, Instagram, YouTube und Twitter Follower eingebüsst. Hauptgrund gemäss Aussage der Nutzer ist: «Weil sie zu viel posten.» Dies kann unterschiedlich interpretiert werden – vermutlich im Sinne von «was mich nicht interessiert oder für mich nicht relevant ist».


Das Vermarkten über Social Media ist in der Realität nicht so einfach, wie es einem die unzähligen Agenturen weismachen wollen. Zwar kann man mit wenig Geld eine grosse Reichweite erzielen – aber es ist schon sehr firmen-, content- und preisabhängig, ob damit die gewünschte Conversion auf der gewählten Plattform erzielt wird. Gerade deshalb ist es essenziell, sich eine Social-Media-Strategie zuzulegen, bevor man einen Account eröffnet, Mitarbeiter anstellt und wahllos Bilder und Videos produziert. Der rein olympische Gedanke ist definitiv zu kostspielig dafür.


Die Kernfrage für den Erfolg in Social Media ist und bleibt: Was interessiert meine Community?

Social Media sind sicherlich hilfreich, schnell eine grosse Anzahl potenzieller Kunden zu erreichen und seinen Brand am Markt sichtbar zu machen. Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen hingegen ist schon viel schwieriger. Erfolgsgeschichten wie die eines Schweizer Boutique-Hotels, welches durch das sehr simple Video einer Reisebloggerin mit über 120 Mio. Views das Geschäft zum Bersten gebracht hat, sind Glückssache. Virale Posts lassen sich nicht buchen. Deshalb raten wir allen, die sich mit Social Media beschäftigen (wollen), zumindest eine grobe Strategie im Vorfeld zu definieren:


10 mögliche Fragen als Basis für eine Social-Media-Strategie


  1. Was möchte ich mit meinem Social-Media-Account erreichen?

  2. Wo sind meine Zielkunden bzw. -gruppen unterwegs?

  3. Wen möchte ich über Social Media erreichen?

  4. Welche «Stories» kann ich kurz und interessant vermitteln?

  5. Habe ich genug Inhalte, um den Kanal regelmässig zu bespielen?

  6. Sind die nötigen Ressourcen vorhanden, um den Kanal zu pflegen?

  7. Möchte ich über Social Media Produkte verkaufen oder nur vermarkten?

  8. Wie viel vom Marketing-Budget investiere ich in Social Marketing?

  9. Bin ich kommunikativ auch für «Shitstorm» gerüstet?

  10. Sind meine bisherigen Social-Media-Accounts erfolgreich oder muss ich etwas ändern?


Vielleicht haben Sie durch die Beantwortung dieser Fragen noch keine vollständige Social-Media-Strategie – aber sicher hilft es schon, ein «Ob nicht?» oder «Ob?» und «Wenn, dann wo?» zu beantworten. Denn Ziel sollte sein, dass Ihr Social-Media-Investment nicht zur Glückssache wird, sondern zu einem wesentlichen Faktor Ihrer Erfolgsstrategie.


Keep calm and let's get digital. Euer Thomas Bergmann



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